Das Licht bleibt aus…

St. Petersburg ist keine Partnerstadt von Berlin, aus dem G8 ist ein G7 geworden und Putin ist der Böse! 

So einfach macht man es sich im Hinblick auf die Begründung, weshalb das Brandenburger Tor nicht in den Nationalfarben Russlands angestrahlt worden ist, nachdem es in der U-Bahnstation in St. Petersburg zu einem Terroranschlag gekommen war.
So einfach ist es aber nicht, das Thema bzw. das, was als Folge aus diesem „nicht Anstrahlen“ geschieht,
ist tiefgründig und komplex.

Keine Differenzierung bei Mitgefühl und Trauer!

Als der neunjährige Jaden kürzlich von Marcel H. ermordet worden ist und beigesetzt wurde, sind u.a. Mitglieder der beiden Rockergruppen Hells Angels und Bandidos gekommen – gemeinsam trauerten sie friedlich um den verstorbenen Jungen.
Eigentlich verfeindetet Gruppen trauern gemeinsam, „legen die Waffen nieder“ und „bekriegen“ sich nicht.
In diesem Fall sollten die Rocker als Vorbild dienen.

Das man in Berlin das Brandenburger Tor nicht in den Farben Russlands angestrahlt hat, nur weil keine Partnerschaft besteht, nimmt eine Differenzierung der Tragödie vor und wertet diesen Anschlag geringer als andere – diese Aktion unterscheidet in gewisser Weise den Wert von Menschenleben.

Der Terrorismus erreicht schleichend seine Ziele…

Entsetzen, Angst und Sorge in der Bevölkerung zu erzeugen hat der Terrorismus bereits seit einiger Zeit schon geschafft. Seit Charlie Hebdo häufen sich Anschläge in vielen europäischen Ländern, der Türkei und jetzt auch in Russland.
Der Terrorismus ist demnach auf einem guten Weg, seine Ziele zu erreichen, nämlich die Gesellschaft aufzuwirbeln, Angst zu verbreiten und Entsetzten auszulösen – schlichtweg die Gesellschaft aus der Ruhe zu bringen.
Doch mittlerweile hat der Terrorismus noch an anderer Stelle eine Spaltung der Gesellschaft hervorgebracht.
Warum gibt es keine Profilbildänderung für Deutschland, die Türkei oder Russland, aber für Frankreich? 
Warum gibt es keine großen Reden oder zu Zusicherung von Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus für Russland? 
Warum wird das Brandenburger Tor nicht in den Farben Russlands angestrahlt? 
Der Terrorismus hat mittlerweile in unserer Gesellschaft erreicht bzw. dazu geführt, dass wir uns nicht mehr einzig und allein auf den Anschlag konzentrieren, um die Opfer trauern und selbst in wachsender Angst leben,
der Terrorismus hat jetzt auch zur Folge, dass wir über die Art und Weise der Trauer und Anteilnahme, über die Art und Weise der Reaktionen oder fehlenden Reaktionen debattieren und streiten – siehe aktuell Russland / Brandenburger Tor.

Soweit wie jetzt hätte es nie kommen dürfen.
Wir dürfen in solchen Situationen nicht differenzieren und schauen, ob wir genügend Gemeinsamkeiten oder Verbindungen (Partnerschaften) haben, die für die Anteilnahme ausreichend sind.
In solchen Ausnahmefällen hat die Gemeinsamkeit der Opferrolle durch den Terrorismus im Vordergrund zu stehen und alle sonstigen Konflikte hintenan.

Mittlerweile sind wir alle Opfer des Terrorismus geworden und wenn wir der Situation wieder Herr werden wollen dürfen wir uns nicht gegenseitig kritisieren und darüber diskutieren, wie wir zu trauern haben und vor Allem dürfen nicht differenzieren, denn wir sind alle gleichermaßen Opfer – in einer Gesellschaft, welche stets für Offenheit und Toleranz plädiert, sind derartige Differenzierungen haltlos! – und müssen uns darauf konzentrieren, den Terrorismus zu bekämpfen und nicht uns selbst.


Bild: Terrorismus spaltet uns.

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